Liebst du deine Verwandschaft?

Ein kleiner Eintrag zur Moskauer Clubszene: schwellender Pathos und mittelmäßige Musik. Geübte (internationale) Clubgänger dürfen auf Besseres hoffen.

 

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Gegen 00:30 in der Nizhnyaya Syromyatnicheskaya, 10/7 angekommen, durften wir erst einmal rätseln, wo sich der Club nun eigentlich befindet (wie so immer in „fancy“ Schuppen). Auf dem Gelände des Artplay Design Zentrums läuft man erstmal durch enge Gassen, bis man endlich das alte Industriegebäude betritt. Die Lage ist nett, der Empfang weniger. Drei Security-Bullen stehen auf der Treppe und versperren einem den Eingang. „Wer legt heute auf?“, nun, die Info bekommen sie. Als geübte Clubber gehen wir nicht wahllos irgendwohin. Man hört, dass alle Ausländer sind, ich bin weit hinten auf der Treppe und kann meinen „Beitrag“ nicht leisten. „War einer von euch schon mal hier?“ Nein. „Hmmm…“ Das große Theater und Grübeln endete mit „300 RUB für jeden“. Okay.

Das lange Grübeln der Türsteher über das Rein-Oder-Nicht-Rein veranlasste uns dazu, eine Party zu erwarten, die heiß am Laufen ist. Aber nichts da. Weiter die Treppe hoch endeten wir wie sechs Karlssons auf dem Dach des Gebäudes, wo sich auch der eigentliche Club befindet. Samstag Abend, und es ist mau. Mehr als mau. Kaum einer ist da, die Musik ein Reinfall… Und das obwohl die Veranstalter versprechen, dass hier Feiern in einer gemütlichen Umgebung und einer „verwandschaftlichen“ Atmosphäre möglich sei. Deshalb heißt der Club auch zu Deutsch „Verwandtschaft“.

Zwei-drei Bier später (die Preise sind relativ angemessen, auch wenn nicht die günstigsten in Moskauer Clubs) wurde die Tanzfläche voller und die Laune besser. Übrigens gibt es hier nur einen Floor und entsprechend keine Alternativen.

Das DEEP ART Showcase präsentierte eine Line up mit

Quazee
GOLIKOV
SIL
Anrilov
BELY
Lega

Ich sehe jetzt mal davon ab, eine musikalische Bewertung abzugeben, denn Geschmäcker sind bekanntermaßen verschieden, weshalb es aus meiner Sicht nur Zeitverschwendung wäre. Meine persönlichen Favoriten diese Nacht waren GOLIKOV und Anrilov . Mit dem Rest konnte ich mich leider weniger anfreunden. Auch meinen geliebten Hard Tech habe ich bisher in keinem der Moskauer Clubs finden können (habe ich hier bei DEEP ART natürlich nicht erwartet). Positiv zu bemerken war der Art-Teil mit interessanten Videoeinlagen des Künstlerkollektivs.

In der aufgehenden Morgensonne, vom Dach aus mit perfektem Ausblick, quatschte man noch mit dem Einen oder Anderen und ließ den Abend eher entspannt ausklingen. Das Lange-Feiern war auch kein Problem, bis in die späten Morgen- und Vormittagsstunden darf man ganz wie zu Hause einfach mal bleiben. Das war tatsächlich nicht zu viel versprochen. (Anmerkung: Von meinem Aufenthalt in Paris war ich diesbezüglich leicht traumatisiert, weil dort in den meisten Clubs gegen 5 Uhr die Lichter angehen und alle rausgeschmissen werden. Basta.)

Übrigens sind die Russen ziemlich kontaktfreudig, vor allem wenn sie hören, dass man eine andere Sprache spricht. Die Neugier siegt. Auf diese Weise lernte ich einen jungen Moskauer Musiker kennen, der mir weiterhin Konstruktor und Propaganda empfahl. Diese stehen nun auf meiner To-do-Liste.

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